Etappe 5 – Es ist kalt von Regensburg bis Pfreimd

Wir starteten gestern Morgen in Regensburg bei 3 Grad ( Hallo es ist Mai?). Unser Weg führte uns zunächst wieder durch die halbe Stadt zurück von der Studenten-WG zu einem Besuch im Johannes-Hospiz in Pentling. Dort frühstückten wir gemeinsam mit Herrn Beer und Frau Mauerer vom Hospizverein Regensburg, während wir ausgiebig über die Angebote unserer Vereine plauderten. Was mich besonders freute: Die Zeitintensive Pflege, die der Hospizverein Regensburg in Anlehnung an das Mühldorfer Projekt ZiB auf den Weg gebracht hat, funktioniert großartig und zeigt tolle Ergebnisse. Es ist schön, dass sich diese Idee so erfolgreich weiter verbreitet!

Vielen Dank für den herzlichen Empfang am Johannes-Hospiz in Regensburg!

Herr Beer, selbst passionierter und ortskundiger Radfahrer versorgte uns außerdem mit einem wunderbaren Streckenvorschlag für die kommenden Kilometer. Entlang der Naab fanden wir tolle Radwege und eine traumhaft schöne Flusslandschaft, die wir in den nächsten Stunden durchradelten.

Die Naab schlängelt sich durch die Oberpfalz, bevor sie in die Donau mündet.

Insgesamt war diese Etappe trotzdem eine Herausforderung. Es ist leider immer noch ziemlich kalt und wir merken, dass wir langsam schlapper werden und die tägliche Radelei ihren Tribut verlangt. Wir sind jetzt schon mehr als 300 km unterwegs und neben radeln, frieren und nass werden sind wir auch damit beschäftigt, uns ausreichend zu versorgen. In den netten kleinen Dörfern ist es nicht immer so, dass es für uns etwas zu essen oder trinken gibt.
Das Wetter ist zwar mittlerweile besser, aber die Kälte macht uns ziemlich zu schaffen. Man merkt wie abhängig man davon ist, wenn man sich den ganzen Tag unter freiem Himmel aufhält. Dennoch macht die schöne Landschaft und die herzlichen Begegnungen unterwegs die Strapazen der Fahrt zum Großteil wett.

Malerische kleine Dörfer mit alten Burgen begegnen uns auf unserer Tour.

Etappe 4 – Lichtblicke zwischen Landshut und Regensburg

Der Wettergott erhörte unsere stillen Gebete und schenkte uns einen Tag ohne Regen. Wir kamen am Ende des Tages an, wie wir gestartet sind: Trocken. Herrlich! Keine nassen Socken, Schuhe und Klamotten.

Weiß-blauer Himmel über den bayerischen Feldern.

Wir stellen fest, dass es ein ganz anderes Radfahren ist, wenn wir bei schönem Wetter durch die Landschaft sausen. Man hat auch während dem Radeln mal Lust und Kraft für einen kurzen Plausch und sowohl Zeit als auch Kilometer vergehen schneller als gedacht. Über schöne Feldwege mit kleinen Brücken kamen wir vorbei an malerischen Dörfern, die durch die Sonne direkt zu strahlen schienen.Ich bin noch nie so langsam durch mein eigenes Land gefahren. Man sieht Dinge, die sonst nur an einem vorbeiziehen.

Vorbei ging es an wunderschönen Dörfern.

Auch die Begegnungen und Gespräche auf der Straße werden dank des guten Wetters ausführlicher und intensiver. Hat man jetzt schließlich auch Lust, ein paar Minuten in der Sonne stehen zu bleiben. In Obertraubling suchten wir eine Apotheke auf. Nach derzeitigem Kilometerstand von ca. 200 seit Salzburg, fangen die ersten Körperstellen an zu rebellieren. Der Apotheker, ein ganz lieber Herr, gab uns ein Schmerzgel und hörte gespannt unseren Erzählungen über unser Vorhaben zu. Er meinte, dass man „Darüber“, also Hospiz- und Palliativversorgung, viel mehr reden müsse. Der gleichen Meinung sind wir auch!

Eine lang ersehnte Pause unter freiem Himmel.

Gegen Abend kamen wir dann in Regensburg an. Mein Sohn empfing uns in seiner Wohnung. Tour de Hospiz meets Studenten-WG. Nur leider waren bis auf meinen Sohn keine Studenten zu Hause. Schade. Für heute ist ein Frühstück beim Hospizverein in Regensburg geplant, bevor es dann weiter geht nach Nabburg. Oh je, die Wettervorhersage verheißt schon wieder nichts Gutes, aber wir werden sehen…

Etappe 3 – Regen von Mühldorf bis Landshut

Etappe 3 begann und endete nass. Wir haben schnell gemerkt, dass es ziemlich mutig ist, während der Eisheiligen radzufahren. Denn der gestrige Tag bedeutete hauptsächlich eins: Regen, Regen, Regen; praktisch durchgehend bis auf eine kurze Zeit mittags, aber da waren wir beim essen. Es gab reichlich Gegenwind und war ziemlich kalt. Im Zwiebellook haben wir uns Schicht für Schicht möglichst wasserdicht eingepackt, was aber nur bis zum Pauli Wirt in Erharting anhielt. Dort haben wir unseren Reisebegleiter Hans Dworzak getroffen und wurden von einigen Kollegen und Familienmitgliedern herzlich verabschiedet.

Treffpunkt Pauli Wirt in Erharting

Die insgesamt 70 Kilometer fuhren wir am Vormittag überwiegend auf vielen kleinen Feldwegen, bei denen der ganze Regen sein bestes gab, damit diese möglichst matschig wurden. Während unserer Mittagspause erzählten wir einer netten Dame was wir machen und warum vor allem. Sie meinte dann nur ganz begeistert, ob wir die Tour anschließend auch in einem Radreiseführer veröffentlichen würden. Das werden wir uns auf jeden Fall überlegen.
Am Nachmittag stand dann noch ein kurzer Besuch bei der Ehefrau eines ehemaligen Patienten an, die ebenfalls sichtlich erfreut über unser Kommen war.

Los geht’s Richtung Landshut

Um 17 Uhr sind wir in Landshut angekommen, selbst ganz überrascht, dass das alles so geht. Der Regen hat dann auch gerade aufgehört und wir wurde auf der Bahnhofsbrücke von einem Kollegen aus Landshut mit dem Radl abgeholt. Am Abend waren wir dann bei Herrn Herzing (1. Vorsitzender des Hospizvereins in Landshut) zu Gast und haben uns bei leckerem Essen bei den „Landshutern“ über Hospizangebote und Palliativversorgung ausgetauscht. Man kommt sich gleich viel näher, wenn man gemeinsam isst. Das merken wir uns für die Zukunft.
Vielen Dank für den schönen Abend. Wir werden uns auf jeden Fall revanchieren!

Angekommen am Landshuter Stadtplatz

Am Abend sind unsere Begleiter Hans und Erwin dann wieder mit dem Zug nach Hause gefahren. Wir möchten uns bei unseren Mitfahrern ganz herzlich für ihre Unterstützung und Kraft bedanken. Ab nun werden wir beide alleine unterwegs sein. Zuerst in die Oberpfalz nach Franken und anschließend hinter die bayerische Grenze. Wir hoffen auf ein paar trockene Tage, damit wir auch hoffentlich auf den Straßen ein paar mehr Passanten antreffen können.

Etappe 2 – Freilassing bis Mühldorf

Die zweite Etappe liegt hinter uns, geschafft! Die Tour de Hospiz featuring Erwin erreichte gestern gegen Abend Mühldorf.
Erst beginnt alles ganz entspannt mit einem leckeren Frühstück in Erwins Bioladen in Freilassing. Ein Überraschungsbesuch von unserem Kollegen Robert aus Traunstein heiterte uns schon in den frühen Morgenstunden auf und lässt unsere Kraft für den Tag wachsen. Dann radeln wir noch trocken bis Tittmoning und geraten ab dort in eine Wasserschlacht.

Los ging es bei bestem Radelwetter.
Eine kurze Zwangspause, als dann der Platzregen uns überraschte. Nass, aber glücklich sind wir!

Das Wetter veranlasste uns dazu, unsere Strecke etwas umzuplanen. So mussten wir leider einige Kilometer an der Bundesstraße entlang fahren, was bei strömenden Regen nicht besonders spaßig ist. Aber auch diese Hürde konnten wir meistern und sind so am Ende des Tages gut angekommen.
Das Tagesergebnis: 90 km und jede Menge nasse Klamotten.

„Ich fühle mich geehrt, heute mit euch hier zu sitzen.“

Liebe Mühldorfer Kollegen, danke fürs Kommen gestern und eure Motivation! Das können wir alles sehr gut brauchen. Die Müsliriegel packen wir zu unserem Proviant für die kommenden Tage.
Heute geht es weiter nach Landshut. Auf dieser Etappe wird uns der Ehrenvorsitzende des Anna Hospizvereins, Dr. Hans Dworzak, und unser treuer Mitfahrer Erwin begleiten.

Erschöpft von der ersten langen Tagesetappe, aber stolz, dass wir es geschafft haben.

Etappe 1 – ein berührender Start in Salzburg

„I hob ja ned gwusst, dass des so a Paradies is, bevor i herkema bin“, sagt mir ein Patient des Tageshospiz Salzburg, als ich am Nachmittag neben ihm in der Sonne auf einer Bank sitze.
Das Wetter ist viel besser als erwartet und wir verbringen die Stunden vor der Abfahrt bei Kaffee und Kuchen und mit angenehmen Gesprächen.

Klasse Kaffee, Herr Werner!

Und dann ist es soweit:
Wir radeln los, das Abschiedslied im Ohr und die guten Wünsche aller Anwesenden im Herzen. Das alles nehmen wir mit nach Berlin und sind ganz bewegt von eurer unglaublichen Unterstützung. Auf der ersten Etappe bis Freilassing begleiten uns Roland und Walter aus dem Salzburger Team.

Um 15 Uhr war der Start der Tour de Hospiz

Danke Salzburg für den berührenden Start zu unserer Tour de Hospiz und auf Wiedersehen in zwei Wochen!

Aller Anfang…

Nachdem die Idee zur Tour de Hospiz feststand, musste ein ausgereifter Plan her. Wie schafft man es in 14 Tagen von Salzburg nach Berlin, quasi einmal über die Grenze und dann quer durch Deutschland? Zum Glück ist Sabines Mann selbst begeisterter Radtouren Fahrer und hat sofort seine Landkarte gezückt, als die Aktion konkret wurde. Schließlich gab es einiges zu bedenken. Nicht nur, dass die Strecke möglichst so gelegt wurde, dass man bei den Kollegen in den anderen Hospizvereinen vorbei schauen konnte. Auch die Höhenmeter durften nicht vergessen werden. Nach einigen Tagen des Kopfzerbrechens und etlichen Neuentwürfen stand die Strecke dann fest. Zwar mit einem straffen Zeitplan, aber auf jeden Fall machbar, meinten Sabine und Irmi.

Der finale Streckenplan.

Nun, da die Tour feststand, gab es noch viele weitere Fragen, die es zu beantworten galt.

Was packt man ein, um nicht bereits in Landshut das letzte Paar Socken anzuziehen?

Was möchten wir den Menschen unterwegs mitgeben?

Wo werden wir übernachten?

Und hab ich überhaupt ein Fahrrad?

Letztere Frage stellte sich als die dringlichste heraus und so schauten die beiden Damen in ihren Fahrradkellern, ob das geliebte Rad den Winter gut überstanden hat, oder ob man vor Tourbeginn doch nochmal den Platten flicken und die Kette schmieren sollte. Sabine konnte sogar ihren Sohn überzeugen, extra ein neues Fahrrad für die Tour zusammenzubauen. Also wurde die Garage kurzerhand in eine Werkstatt verwandelt und es entstand ein neues Bike, das mit vielen schönen Erinnerungen und Geschichten bestückt werden soll.

Radlwerkstatt Brantner

Weil es nicht um sterben, sondern um leben geht.

Dr. Irmgard Singh, Ärztin im Lebensraum Tageshospiz Kleingmain, und Sabine Brantner, Mitarbeiterin im Anna Hospizverein Mühldorf in Bayern, werden am 16. Weltkongress der European Association for Palliative Care, kurz EAPC, teilnehmen, der vom 23. – 25. Mai 2019 in Berlin stattfinden wird.

Das Besondere: Sie radeln von Salzburg nach Berlin, um darauf aufmerksam zu machen, dass Hospizarbeit ein Angebot für das Leben ist, dass es dabei um Lebensqualität und Lebendigkeit geht. Unterwegs möchten sie Menschen begegnen – ob auf der Straße, in anderen Hospizeinrichtungen oder beim Einkehren zum Essen und Schlafen… Sie möchten mit ihnen ins Gespräch kommen und von deren Erfahrungen hören. Anliegen, die auch gelungene Hospizarbeit auszeichnen.

Start der Tour de Hospiz ist am Freitag, 10.5.2019 um 15.00 Uhr im Lebensraum Tageshospiz, Buchholzhofstraße 3 in Salzburg.

Doch was ist das Hospiz und was ist Palliative Care? Das Wort „Hospiz“ hat seinen Ursprung im lateinischen Wort „hospitium“ und bedeutet Gastfreundschaft und Herberge. „Palliative Care“ kommt ebenso aus dem Lateinischen („palliare“) und bedeutet so viel wie „umhüllen, lindern“. Mit diesen Begriffen kann das grundlegende Angebot der Hospizbewegung gut beschrieben werden: Hier soll Menschen, die sich in einem Lebensabschnitt befinden, in dem es nicht mehr um Heilung um jeden Preis geht, sondern vor allem darum, dass sie in ihren letzten Tagen noch Lebensqualität und Würde erfahren, Gastfreundschaft entgegengebracht werden.

Das Angebot für die erkrankten Personen und ihre Angehörigen umfasst dabei Beratung, palliativmedizinische und -pflegerische Betreuung, psychosoziale Begleitung, Entlastung von Pflegenden sowie Hospiz- und Trauerbegleitung. Um Menschen in ihrer vertrauten Umgebung unterstützen zu können, gibt es einerseits den ambulanten Betrieb im Lebensraum Tageshospiz und andererseits mobile Hospizdienste mittels Besuchen zuhause, im Krankenhaus oder im Senioren- und Pflegeheim.

Die angestellten und ehrenamtlichen Mitarbeiter/innen der Salzburger und Mühldorfer Hospizbewegung sind alle sorgfältig ausgebildet und widmen den betroffenen Menschen Zeit, Zuwendung und Gespräche. Für diese sind die Leistungen selbstverständlich kostenlos. Die natürlich dennoch benötigte Finanzierung kommt zu einem großen Teil von Sponsor/innen und Spender/innen, ohne die das aktuelle Angebot nicht aufrechterhalten werden könnte. Daher freuen sich die beiden Radlerinnen auch über jede Spende, die ihren Organisationen zu Gute kommt.